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Angst in Anfield
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January 27th, 2012FussballLiverpool empfängt Manchester United – wird es hässlich?
Gut, dass das nächste Duell im Old Trafford stattfindet, hatten sich viele in England gedacht, und zum Glück erst Mitte Februar. Zu sehr hatte es zwischen Liverpool und ManUnited im Zuge des Liga-Aufeinandertreffens am 15. Oktober gekracht. Doch die FA-Cup-Auslosung spielte nicht mit: Schon am Samstag (13.45 Uhr) treffen sich die Erzrivalen wieder, erneut an der Anfield Road – und alles, was bei und nach der letzten Begegnung passierte, ist auf einmal präsenter denn je.
Damals hieß das Resultat 1:1, doch weil Reds-Stürmer Luis Suarez anschließend für schuldig befunden wurde, Gegenspieler Patrice Evra rassistisch beleidigt zu haben, reduzierte sich das Spiel auf diese eine Szene. Suarez wurde für acht Spiele gesperrt, plädierte auf Unschuld. Liverpool unterstützte ihn nach Kräften, was das europäische Antirassismus-Fußballnetzwerk FARE als “völlig inakzeptabel” bezeichnete.
Die Liverpool-Fans gingen auf die Barrikaden, viele glaubten Suarez – und manche an eine Verschwörungstheorie zwischen dem Fußball-Verband FA und Manchester United. Eine Rassismus-Debatte entbrannte auf der Insel, neuen Stoff gab es bald: Beim Drittrunden-Match im FA Cup zwischen Liverpool und Oldham Athletic musste Gäste-Verteidiger Tom Adeyemi rassistische Schmährufe von Reds-Anhängern über sich ergehen lassen. Die Übeltäter trugen Unterstützer-T-Shirts für ihren uruguayischen Torjäger: Suarez.
Suarez kann sich live ansehen, was er angerichtet hat
Und was passiert am Samstag? Wie gehen die Zuschauer mit Evra um? Der Franzose soll spielen, Suarez fehlt noch gesperrt, er wird auf der Tribüne erwartet. Er kann sich live ansehen, was er angerichtet hat.
In England ist man sich einig: Es wird hässlich werden. An der Anfield Road geht die Angst um. Denn es sind ja nicht irgendwelche Klubs, die da aufeinandertreffen und nicht irgendwelche Fangruppen, die da aneinandergerieten. Liverpool und ManUnited sind die größten Vereine der englischen Fußballgeschichte, ihre Rivalität ist so alt und bekannt, dass ihr ein eigener Wikipedia-Artikel gewidmet wurde.
„Wir sind alle verantwortlich dafür, dass dieses Spiel wegen des Fußballs in Erinnerung bleibt.“Steven Gerrard
Lange waren die Reds mit 18 Titeln alleiniger englischer Rekordmeister, bis United unter Sir Alex Ferguson die Lücke schloss, in der Vorsaison vorbeizog und der Anhang beim letzten Duell in Anfield genüsslich Plakate mit der magischen Zahl 19 in die Höhe reckte. Sollte nicht mehr passieren am Samstag – die Verantwortlichen wären wohl zufrieden.
Ferguson schreibt einen Brief an die Fans
Die Polizei wird Präsenz zeigen, das Gäste-Kontingent ist reduziert, und der Vorlauf war von Appellen geprägt: Ferguson, der zuletzt kein Wort über die Suarez-Evra-Affäre verlor, schrieb eigens einen – allgemein gehaltenen – Brief an die United-Fans mit der Bitte “positiv, witzig und laut” zu sein. Liverpool-Kapitän und -Ikone Steven Gerrard sagte: “Wir sind alle verantwortlich dafür, dass dieses Spiel wegen des Fußballs in Erinnerung bleibt.”
Wie gut die Chancen stehen, weiß niemand so recht, Potenzial ist auf jeden Fall da: United gewann zuletzt dreimal in Folge, u.a. auswärts gegen ManCity und Arsenal. Und Liverpool strotzt nach dem Einzug ins League-Cup-Finale, dem ersten Wembley-Auftritt nach 16 Jahren, vor neuem Selbstvertrauen. In einem begeisternden Spiel trotzten Gerrard Co. City ein 2:2 ab. Ein erneutes Unentschieden hieße übrigens nicht Verlängerung, sondern: Wiederholungsspiel. Dann allerdings im Old Trafford.
Article source: http://www.kicker.de/news/fussball/intligen/startseite/563895/artikel_angst-in-anfield.html#omrss_news_fussball
Tags: Fussball
